Irrweg?

Nachdem ich Amelie letzten Montag ja ziemlich unkontrolliert im Seelenschmerz Vorwürfe gemacht hatte, wusste ich nicht, ob sie meiner relativierenden Nachricht das selbe Gewicht gegeben hat, wie meinem Vorwurf. Ersteinmal reagierte sie gar nicht.
Der Dienstag war für mich eh problembehaftet, weil sie da viele Stunden an einem Ort mit einigen Menschen verbringen wollte, die in mir ungute Gedanken sprudeln lassen, mit Dingen, die in mir ein schmerzhaftes Gefühl auslösten: Angst!

Und so begann für mich der Dienstag ohne Antwort von ihr. Und das Wissen, dass sie sich räumlich in meiner Nähe befindet, aber nicht für mich greifbar sein würde, machte es nicht besser…
Ich wusste, dass derTag hart werden würde und machte mich früh am Morgen auf meine Runde. Knapp 7 Kilometer zum Kopf frei laufen. Die Sonne lugte gerade über den Berg mit der Burg darauf ins Tal. Parallel zum Fluss setzte ich Fuß vor Fuß, bewältigte Schritt für Schritt. Ich sah das herrliche Bild vor mir. Die Weite des Tales, der Radweg, der mir Gehweg ist, die drei Berge. Der markante, mit dem riesigen Abrutsch, bildprägend, daneben der mit der Burg und dann der dritte. Daneben wiederum lugte die Sonne grell leuchtend durch den Dunst, der alles vor mir in der Ferne wie gestaffelte Kulisse erschienen ließ. Ich machte ein Bild und fing diese Stimmung ein. Das Bild strahlte die Hoffnung des beginnenden Tages aus. Ich besann mich, und schrieb Amelie:

Liebste Amelie, ich wünsche Dir einen wundervollen guten Morgen! Viel Glück heut… Ich umarme und halte Dich! *Sehnsuchtsvoll* Dein Raphael ☀️☀️☀️ *SORRY!*

Zusammen mit dem Sonnenaufgangsbild schien mir das versöhnlich genug. Ich hatte die Hoffnung, dass Du Dich nach dieser Nachricht bei mir melden würdest, bevor Du in das Haus gehst… Doch auch diese Nachricht blieb ungelesen.
Ich ging meine Runde, frühstückte und begann mir den Tag mit Aufgaben voll zu packen. Nur nicht daran denken, was Du jetzt vielleicht tust…
Kurz und gut, ich begann viele Arbeiten und merkte aber jedesmal, dass ich nicht beider Sache bin und mir nichts gelang. Die Zeit verging quälend langsam, anderes wurde früher Nachmittag, Du würdest Dich wieder auf den Nachhauseweg machen. Ich musste irgendwie Kontakt zu Dir bekommen und schrieb Dir, fragte Dich, wie es Dir geht, ob Du gute Begegnungen hattest und vermied alles, was Du als Vorwurf hättest verstehen können. Und wirklich, die Nachricht kam an, wurde gelesen und Du antwortetest:

Manchmal weiß ich nicht wie ich angemessen reagieren soll…

OK. Wenigstens das. Jetzt konnte ich vorsichtig zu erklären versuchen. Es schien mir zu gelingen, wir tauschten noch ein paar Gedanken. Dann wolltest Du ein wenig ausruhen, weil Du noch zur Nachtschicht musstest. Dort war dann nicht allzuviel los, so daß wir uns noch ein wenig austauschen könnten. Bis ich um Mitternacht hundemüde ins Bett fiel. Zwei Tage großer psychischer Anspannung lagen hinter mir, davon eineinhalb Tage die Hölle. Zeit in der ich nicht wusste, was werden wird.

Die Frage, ob wir uns nächsten Montag, wie vereinbart, treffen werden, blieb unbeantwortet.

Mittwoch. Feiertag. Frau zu Hause. Ich organisiere den Tag ohne Stillstand. Ablenkung von Allem.

Der Donnerstag ist keine zwei Stunden alt als ich munter werde. Richtig munter! Kopf an und keine Chance, wieder einzuschlafen. Ich weiß Dich in der Nachtschicht, schreibe Dir einen Gruß und versuche danach im Bett wieder Ruhe zu finden. Vergeblich.
Also wieder auf. Ich schreibe:

Muss gerade grinsen. ☺️ Irgendwie ist es widersinnig. Heute habe ich sozusagen „Nachtschicht“. Kurz vor 2 Uhr war meine Nacht vorbei. Der Kopf war an. Gedanken, Gefühle, Ideen. Von allem zu viel für diese Uhrzeit…😉 Der. Versuch, wieder zu schlafen, hoffnungslos. Habe überlegt was ich mache. Aufstehen? Laufen? Ein Kapitel der Geschichte von „Amelie und Raphael“ weiterschreiben, oder einen Blogbeitrag? Naja, wäre sinnvoll gewesen. Statt dessen der krampfhafte Versuch, wieder Ruhe zu finden.
Die Kirchturmuhren schlägt viertelstündlich. Ich zähle. Viertel, halb, dreiviertel, plötzlich 3 Uhr.
Meine Gedanken sind jetzt wirklich dort, wo ich Dir 2 Uhr geschrieben hatte: bei Dir…😎😘 Tja. Dort drehen sie Pirouetten, werden von einer Wahrscheinlichkeit auf die andere gedreht und gewendet…
4 Uhr. Ich merke wie sinnlos das ist, wie ich tue. Ich wälzen Gedanken, über dessen Ausgang ganz jemand anders befinden wird. Da kann ich Ideen haben, noch und noch. Da kann ich Schmetterlinge im Bauch fühlen, kann Zweifel hegen, wie ich will. Es bringt nichts…🤔
Die Erkenntnis ist da. Der Wunsch und die Hoffnung schubsen mich in die nächste Runde.
4.30 Uhr. Es ist genug, ich stehe auf. Natürlich wird meine Frau munter, als ich meine Klamotten raffe. Was sei fragt sie. Ich erwidere, dass ich nicht schlafen kann und aufstehe… Am liebsten hätte ich gesagt, dass mir die Liebe vor geraumer Zeit begegnet ist, und ich mich jetzt auf mache, einen Weg dorthin zu finden…😌
Ach Amelie, wenn ich Dir jetzt sage, dass ich jetzt gern bei Dir wäre, dass ich Dich gern in den Arm nähme, Dich gern küsste und gern lieben würde, dass ich gern Kaffe mit Dir tränke und reden würde, von jetzt bis zum Ende des Tages, dann wäre das nicht gelogen!❤️🥰💋🍀
Aber ich schreibe Dir ja diesen Text. Und ich fühle mich Dir nahe. Aber ich ahne, dass mein Wunsch nach Deiner Nähe, Deinem Wunsch nach Distanz und Ruhe diametral gegenüber steht. Gut, das spekuliere ich. Und in Wirklichkeit hoffe ich: Dass Du mich auch gern wiedersähest…🤗
Es ist verrückt. Und es ist mühsam. Und es ist schön…
So, jetzt habe ich Dich ungebetenen vollgequatscht.
Aber ich hoffe, Du spürst meine guten Absichten dahinter, meine guten Gefühle Dir gegenüber, und, dass ich letztendlich eh akzeptiere(n) (muss), wie *Du* entscheidest.😉☺️
Ich freue mich auf Dich!🍀❤️
Ich wünsche Dir einen guten Morgen und einen tollen Tag!☀️☀️☀️🎶

Ganz liebe Grüße
Raphael

PS: Seit um 5 zwitschern jetzt die Vögel. Der Tag erwacht. Lass es Dir gut gehen!

Ich hab Dich lieb Amelie❣️

Das animierte Dich zu einem launische Antwortsatz. Ich weiß, Du hast gleich Feierabend (eher „Feiermorgen“) und wirst gleich den halben Tag verschlafen, der für mich Längen hat, weil ich unser Treffen noch nicht bestätigt weiß, aber ich bin zufrieden…

Ich merke, dass ich mir in den mehr als drei Wochen ohne persönliche Begegnung mit dir so viele Gedanken und Fragen aufgetürmt habe, die irgendwann aus mir herausbrechen werden. Ich Frage, ob wir uns vorher nochmal ausquatschen wollen.

Raphael… Wir müssen uns nicht ausquatschen… Es ist alles gut… Mittlerweile wissen wir doch etwas wie wir ticken 😚
Montag… Welche Uhrzeit?

Ich antworte kurz, teile Dir die Uhrzeit mit.

Dann warte ich.

Freitag. Samstag. Sonntag.

Es fällt mir schwer, aber ich will keine weiteren Fehler machen, und schweige.
Sonntag Abend schreibst Du mir, dass Du viel zu tun hattest und Dich auf unser Treffen freust.

Bevor ich am nächsten Tag ins Auto steige, um zu Dir und die große Stadt zu fahren, schreibe ich Dir, dass ich mich auf Dich freue. Und dass das jetzt vier Wochen waren. Und ich jetzt aufgeregt bin.

Doch irgendwie schreibe ich wohl missverständlich, wie ich kurze Zeit später bei unserer Begegnung feststellen muss…

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