Letzte Minuten nach dem Treffen

Der Blick in den Rückspiegel, als ich die kleine große Stadt verlasse. Ich sehe Dich noch 10 Minuten lang. Du fährst hinter mir bis zur Autobahn. An jeder Ampel hoffe ich, dass sie „rot“ zeigt. Weil dann sehe ich Dich deutlich. Du lächelst. Haben Dir diese, unsere Stunden also auch so gefallen wie mir?

Du hast mich zum Abschied geküsst, die Tür des Apartments hinter uns ins Schloss fallen lassen. Wir gehen gemeinsam zum Fahrstuhl, treten hinein. Du drückst versehentlich die „1“ statt dem „E“ und ich bin glücklich darüber. Glücklich über damit zusätzlich gewonnene gemeinsame 20 Sekunden…
Die Fahrstuhltür schließt sich und ich ziehe Dich an mich, drücke Dich ganz fest und küsse Dich noch einmal. Nein ich möchte Dich nicht loslassen. Ich möchte bei Dir bleiben, Deinen Geruch in meiner Nase, die Wärme Deiner Lippen spürend, in Deinen dunklen Augen verweilend. Einfach bei Dir bleiben!
Ich flüstere Dir ins Ohr: „Ich würde jetzt gern mit Dir bis zum Dunkelwerden den Rest des Tages mit Dir im Fahrstuhl bleiben!“. Du lächelst. Ich weiter: „…mit Sekt und Musik… Ich hätte Dir noch so viel zu sagen…“. Ich zwinkere Dir zu. Wie so oft am heutigen Tag, der so seltsam begann (siehe „Missverständnisse“) und doch so wunderbar verlief. Irgendwie scheint Dir der Gedanke zu behagen.
Die Tür öffnet, erste Etage. Jetzt nur noch wenige Sekunden. Irgendwie versuche ich die Tränen zu unterdrücken. Warum schießen die mir jetzt in die Augen?
Die Tür schließt sich ein letztes mal. Abwärts. Ich denke an die vergangenen Stunden und spüre Wärme in mir aufsteigen. Und doch zieht es mir undefinierbar im Bauch. Abschiedsschmerz. Seltsam.
Wir verlassen, uns voneinander trennend, den Fahrstuhl. Ein paar Meter bis zur Haustür.

Vor dem Haus verabschieden wir uns, gehen zu unseren Autos. Du mit dem Fliederstrauß in der Hand, den ich Dir mitgebracht habe, weil Du Flieder liebst. Den rosa, mit gefüllten Blüten, aus meinem Garten magst Du besonders gern. Weiß ich noch vom letzten Jahr.

Als ich mein Auto in Bewegung setze, winkst Du mir wieder zu. Du siehst zufrieden und glücklich aus. Ab jetzt spüre ich Deine Nähe schwinden, aber behalte Dich im Rückspiegel im Blick.

Die letzte rote Ampel. Jetzt laufen mir die Tränen. Mir ist als würden wir uns hier nicht wieder treffen. Obwohl Du mir für das nächste Mal ein paar nette Neuigkeiten angekündigt hast.
Wir fahren auf die Autobahn. Richtung Ost. Ich winke Dir nochmal, weiß nicht, ob Du es wahrnimmst, setze den Blinker und trete aufs Gas. Dein Auto im Rückspiegel wird immer kleiner, dann verschluckt mich der dicker werdende Verkehr und fordert meine Aufmerksamkeit.

Meine Gedanken bleiben trotzdem bei Dir. Dein Geruch noch eine Weile an mir. Meine Lippen können Dich noch schmecken…

Jetzt wird zur Erinnerung, was gerade noch im Hier und Jetzt Realität war. Ab jetzt beginnt erneut das Warten. Sehnsuch…

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