Kleine Sonnen

Kleine Sonnen
In stürmischer Zeit
Geschützt am Boden
Aufblühend im Licht

Dunkelheit
Darüber Wolken ziehen
Sich sammeln und ballen
Auftauchende Melancholie

Gedanken beruhigen sich
Wenn Liebe gewinnt
Unabhängig von Erwiderung
Wachsendes Vertrauen

Kleine Sonnen
Erhellen erwachende Natur
Dass Du da bist
Lässt mich mein Leben lieben

Danke!
Du bist!
Bedingungslos!
Liebenswert!

Für meine Liebste, in stürmischen Zeiten.

Erinnerungen gegen den Novemberblues

Graue Novembertage
Es fließt zäh im Nebel
Die Zeit dahin
Stolpert
Und stockt

Dunkles Grau tropft
Ins Gemüt
Sucht über die Sinne
Den Weg
Ins Herz

Ich kann loslassen
Mich hingeben
Trauern
Wehen
Und klagen

Aber ich will nicht!

Dagegen erinnere ich mich
An gemeinsame Stunden
Im warmen Zimmer
Heller Raum Deiner Wohnung
Mein Zuhausegefühl

Sonne durchdringt den Raum
Beleuchtet Dein Haar
Im Gegenlicht
Wirkst mehr noch
Wunderschön und engelsgleich

Mein Herz springt und klopft
Wärme durchströmt mich
Dein Lächeln
Der Glanz Deiner Augen
Nackte Haut lockt Wolllust

Berührung
Hingabe
Lippen finden sich
Körper verschmelzen
Atemlos

Das Licht dieser Erinnerung
Erhellt und wärmt und hält
Die Seele im Gleichgewicht
Die Hoffnung lässt mich
Leben, Lieben, Glücklichsein

Auch im düsteren Novembergrau…

Gewitter, Kaffee und ganz viel Herzenswärme 1

Ich habe an dieser Stelle lange nichts mehr von mir hören lassen. Das lag nicht daran, dass es keine erwähnenswerten Ereignisse gegeben hätte. Absolut nicht. Es war eher so, dass ich immer nur angefangen habe, Blogbeiträge zu verfassen, dann kam etwas dazwischen und danach war einfach der Faden für den Text weg… Ich hoffe, dass mir das heute nicht wieder passiert. Und ich habe mir vorgenommen, die eine oder die andere Entwicklung noch im Rückblick niederzuschreiben, damit man als Außenstehende(r) noch ein bissel „mit mir fühlen“ kann.

Die letzten Tage waren wettermäßig sehr anstrengend. Subtropisch warm, Sonne, Regen, Gewitter. Meist aber trotz allem erträglich. Mir ging es trotzdem gut.

Für den Mittwoch war ich mit Amelie zum Kaffeetrinken in der Klassikerstadt verabredet. Eine Woche nach unserem letzten intensiven Treffen. Die Terminverschiebung kam kurz nach Mitternacht. Und es war OK für mich, weil der Grund für mich nachvollziehbar war, und bis zum Donnerstag – einen Tag später – habe ich meine Sehnsucht im Griff… So viel Gelassenheit hätte ich mir noch vor Wochen gar nicht zugetraut. Doch dieses neu errungene Grundgefühl von Sicherheit macht für mir vieles leichter.

„Du bist ein wichtiger Teil meines Lebens und wirst es sicher bleiben!“

Das sind Deine heutigen Worte, die in mir sicher lange nachklingen werden, liebe Amelie!

Ein Treffen am Vormittag. Der Tag beginnt für mich schwerfällig. Nach der Morgendämmerung wurde es wieder dunkler. Schwere, graue Wolken. Aber der Gedanke, Dich bald in den Arm nehmen zu können, lässt mich strahlend aus dem Bett springen. Duschen, anziehen und erstmal zum Frühstückskaffee. Danach noch eine kleine Aufmersamkeit für Dich besorgt, mein Nahversorger feiert und verführt mich zum Glücksspiel: 3 Lose, 2 Nieten… Wie war das doch? Pech im Spiel, Glück in der Liebe! Außerdem gibt’s für die Nieten zwei schöne Rosen – wunderbar. Eine für Dich und eine für Deine Tochter. Nicht geplant, aber alles gut, wie es ist.

Ich begebe mich rechtzeitig auf den Weg, na logisch. Das Navi zeigt 40 Minuten Fahrt, wenn die Autobahn frei ist, werde ich in 35 Minuten im Einkaufszentrum sein, in dem wir uns verabredet haben. Auf der Autobahn wird es immer dunkler und es schüttet, wie aus Kübeln. Aber es rollt. Nur kurz vorm Ziel kommt so viel Regen, dass ich die letzten 5 km Landstraße nur ganz langsam fahren kann. Parkplatz gesucht und jetzt doch noch warten. Ich weiß, dass Du mich nicht versetzen wirst, Frage mich aber doch woher auf einmal meine Unruhe kommt…? Dann die Nachricht, dass Du auf dem Weg bist. Und es regnet weiter.

Nach ein paar Minuten erkenne ich Dein Auto. Du läufst ohne rechts und links zu schauen übern Parkplatz, fokusiert wie immer. Und Du siehst umwerfend aus. Meine Freude, Dich zu sehen ist unermesslich…

Memo an mich selbst

Wenn Gefühle überlaufen.

Was soll ich tun, wenn Gefühle überlaufen?

Ich kann sie versickern lassen – im besten Fall nach außen.

Nach innen („…und es tropft in mein Gemüt…“ H. Grönemeyer) – ist es schwer zu ertragen und erodiert das eigene ICH.

Nach außen im freien Fluss kommuniziert, kann „ein zu viel von allem“ bedeuten – vor allem für Dich, als die von meinen Gefühlen betroffene Person.

Was soll man tun, wenn Gefühle überlaufen?

…geschrieben am Tag nach einem berührenden Treffen, nach einer Nacht mit zwei Nachrichten an Dich, mit überlaufenden Gefühlen…🤔😇

Junimond

Wenn es nicht so traurig wäre, müsste ich im vollen Mond vor Traurigkeit tanzen…

Rio Reiser „Junimond“

Die Welt schaut rauf zu meinem Fenster
Mit müden Augen, ganz staubig und scheu
Ich bin hier oben auf meiner Wolke
Ich seh dich kommen, aber du gehst vorbei
Doch jetzt tut’s nicht mehr weh
Nee, jetzt tut’s nicht mehr weh
Und alles bleibt stumm
Und kein Sturm kommt auf
Wenn ich dich seh

Es ist vorbei, bye, bye Junimond 
Es ist vorbei,
Es ist vorbei, bye, bye

Doch jetzt tut’s nicht mehr weh
Nee, jetzt tut’s nicht mehr weh
Und alles bleibt stumm
Und kein Sturm kommt auf
Wenn ich dich seh

Es ist vorbei, bye, bye Junimond 
Es ist vorbei,
Es ist vorbei, bye, bye

Zweitausend Stunden hab ich gewartet
Ich hab sie alle gezählt und verflucht
Ich hab getrunken, geraucht und gebetet
Hab dich flußauf- und flußabwärts gesucht
Doch jetzt tut’s nicht mehr weh
Nee, jetzt tut’s nicht mehr weh
Und alles bleibt stumm
Und kein Sturm kommt auf
Wenn ich dich seh

Es ist vorbei, bye, bye Junimond 
Es ist vorbei,
Es ist vorbei, bye, bye
Es ist vorbei, bye, bye Junimond 
Es ist vorbei,
Es ist vorbei, bye, bye

Songwriter: Martin Hartmann / Rio ReiserSongtext von Junimond © Sony/ATV Music Publishing LLC

Wer will, findet Wege…

Vor vier Wochen war ich das letzte mal unterwegs, um meine Runde zu gehen. Jetzt Stillstand.

Vor drei Wochen unterbrachst Du die Kommunikation mit mir.

Drei Wochen kämpfte ich jetzt mit einem Infekt. Eine „einfache“ Sache, doch mein Körper war geschwächt. Meine Seele ziemlich ausgebrannt. Drei Wochen bleierne Müdigkeit, drei Wochen Inaktivität.

Trotz allem gab es in den drei Wochen Ereignisse, die es Wert wären, festgehalten zu werden.

Ich schrieb im letzten Beitrag vor circa zwei Wochen vom vergeblichen Versuch, Amelie an ihrem Geburtstag eine Nachricht zukommen zu lassen. Weder telefonisch noch per SMS, was immer unsere Backupverbindung war, schien das möglich.

Da sie am Vortag ihres Geburtstages in der Nachbarstadt war, überlegte ich mir, ihr meine Geburtstagsgrüße – ein kleines Kuvert mit Grußkärtchen und zwei Gingkoblättern – an ihrem Auto zu hinterlassen. Nett drapiert und gehalten von einem „Alles wird gut“-Magneten…

Toller Plan, nur war Amelie mit ihrer Freundin gefahren und deren Auto war für mich tabu.

Nachdem dieser Plan gescheitert war und auch am Geburtstag keine Kommunikation zustande kam, sendete ich die Glückwunsch-SMS per Zweithandy… Und keine Minute später erhielt ich eine WA-Nachricht, in der sich Amelie für die lieben Glückwünsche bedankte und mir gleichzeitig eine Denkaufgabe mit gab.

Hey mein lieber Raphael…Danke für die lieben Glückwünsche…
Du weißt, das auch ich dich sehr mag … aber auch wenn du dir noch so Mühe gibst…Du kannst mit der Situation nicht umgehen…sei lieb gegrüßt
Amelie 😚

Mein Herz hüpfte wie wild, Glücksgefuhle durchströmten mich. Es war schön ihr Profilbild wieder zu sehen und wieder mit ihr in Kontakt zu sein.

Ein paar Tage (eine Woche!) blieb ich „auf meinen Fingern sitzen“ und schrieb nicht. Dann ein zaghaften Gruß, ein Foto, eine Schilderung, was ich tue, was ich fühle und das ich sie vermisse. Und siehe da, sie schlug mir ein Treffen in unserem privaten Liebesnest für die letzte Juliwoche vor…

Hey meine lieber Raphael 😉
Ich würde dir ein erneutes Treffen in der Stadt am 24.06. 10:00 Uhr vorschlagen…
Ich weiß das für dich nicht einfach ist… aber du weißt mehr geht nicht…
Sei lieb gegrüßt
Amelie 😚

Tja, wer hätte das gedacht? Ich fühlte mich dem Himmel ein Stück näher.

Das war vor nicht mal einer Woche. Und ich empfand Freude, Spannung, Unsicherheit.

Willkommen im Déjà-vu…?

Am Boden

Heute ist Dein Geburtstag.
Ich hatte kleine Geschenke zusammengestellt. Dinge, von denen ich hoffte, dass sie Dich erfreuen.

Doch seit einer Woche ist klar: Du hast den Kontakt zu mir abgebrochen. Auf allen Kanälen, wie ich heute merkte, als ich Dir zumindest telefonisch gratulieren wollte.

Das schmerzt sehr. Aber es war absehbar. Seit zwei Monaten spürte ich, wie sich an Deiner Art mit mir zu kommunizieren etwas änderte. Vor einem Monat bestätigtest Du mir, dass ich Dir zu mühsam werde. Aber Du machtest mir immer wieder Hoffnung. Oder redete ich mir das nur ein?

Die Aussagen zu unseren geplanten Treffen wurden immer unbestimmter. Ja, Du bist beruflich sehr eingebunden. Aber Du hast nichts mehr konkret erzählt. Und immer gesagt, Du müsstest „nachschauen“, wann wir uns treffen könnten. Zum „an die Bienen gehen“, zum Treffen in der Wohnung, zum kurzen Kaffeetreffen. Immer konntest oder wolltest Du nicht sagen, wann das sein wird.

Als wir Montag vor einer Woche früh am Morgen schrieben, klangst Du so fröhlich, so voller Freude, dass wir miteinander etwas unternehmen.
Zwei Stunden später spülte die  „moderne Technik“ mir die Nachricht aufs Handy, dass Du dort seist, wo ich Dich nicht gerne sehe…

Ich fühlte mich hintergangen und verletzt und schickte Dir meinen inneren Monolog. Du antwortetest, dass Du mir nicht folgen könntest und ich schrieb Dir, dass ich wisse, wo Du gerade im Moment bist. Nahe bei mir und doch ferner, als mir lieb sein könnte…

Deine Antwort war scharf formuliert, aber Du stelltest dar, dass es für Dich Zwänge gäbe, dort zu sein, wo ich Dich so ungern sah. Und dass das nichts mit unseren Dingen zu tun hat und ich das trennen müsse.

Ja, ich hätte, wie so oft in den letzten Wochen, meinen Schmerz und meine Verletzungen still ertragen sollen, in der Hoffnung darauf, dass wir uns „bald wieder sähen“. Aber ich schrieb Dir, dass ich mich verletzt und hintergangen fühlte, weil wir vor wenigen Stunden kommunizierten und Du mich im Unklaren ließest. Und dass ich verunsichert und irritiert sei, weil Du nicht offen mit mir kommunizierst. Und ich sprach meinen Wunsch nach Klarheit und offenem Gespräch an. Und dass ich Dir die Hände reiche, damit wir gemeinsam einen Weg aus dem Dilemma fänden.

Dann war erst mal ein paar Stunden Ruhe, Du warst zu beschäftigt. Nachdem Du von dort nach Hause gefahren warst, hast Du meine Nachrichten gelesen.

Du kapptest die Verbindungen zu mir Sofort. Auf allen Kanälen. Wirklich auf allen, wie ich heute bemerkte…

Und jetzt weiß ich nicht, was werden wird. Ich fühle mich schlecht. Sehr schlecht.
Es ist zu früh für ein Resümee, aber eines spüre ich gerade extrem:

Amelie, mein Herz sehnt sich nach Dir!

Hier meine SMS, die ich Dir heute Nacht schickte, und die nie ankam…


Hey meine liebe Amelie! Zu Deinem Geburtstag wünsche ich Dir alles erdenklich Gute! Gesundheit, Glück und Liebe! Mögen Dir echte Freunde begegnen. Halte sie in Deinem Leben… Ich wünsche Dir alles Glück dieser Welt, genügend Geld zum gut leben und Ruhe und Ausgeglichenheit und inneren Frieden! Liebste Amelie, für mich bist Du der großartigste Mensch, den man sich wünschen kann. Ich hab Dich lieb! Voller guter Gedanken umarme und küsse ich Dich. Lass Dich feiern und verwöhnen und lass es richtig knallen zum WGT! Lass es Dir gut gehen! Raphael, der Dich noch immer verehrt. So, wie Du bist! ❤ ❤ ❤

Hinter Glas

Für Amelie

Ich weiß nicht, wie ich ausdrücken kann, was im Moment geschieht.

Ich fühle mich wie eine Pflanze. Genügsam. Zäh. Geduldsam.
Eine Pflanze, die nur hin und wieder ein wenig Wasser braucht. Ein wenig Pflege. Ein wenig Zuwendung. Ein wenig Trost. Die Trockenzeiten überstehen kann, dann aber langsamer gedeiht, immer kahler wird und weniger schön anzuschauen ist.
Die aber trotzdem auch in Dürrezeiten weiter wächst und Blüten bildet. Zwar wenige und kleine, aber wenn man diese Blüten aufmerksam betrachtet, steckt da sehr viel Schönheit drin, an der sich der Betrachter erfreuen kann. Wenn er sie entdeckt. Wenn er mit offenen Augen und offenem Herzen an diese Pflanze herantritt und ihr „begegnet“.

Eingehen wird die Pflanze, wenn man sie hinter Glas stellt. So dass es keinen wirklichen Kontakt mehr gibt…
Dann geht sie langsam zu Grunde.

Ich merke, wie sich eine Glasscheibe zwischen mich und Dich schiebt.

Du fehlst!

Ein Schritt vor und zwei zurück

Ich fühle mich, wie Ulla Meinecke auf ihrem 1991 veröffentlichten Album „Löwen“ auf die Musik von Bruce Springsteen sang:

„Ein Schritt vor und zwei zurück“

Wach morgens auf und das Haus ist kalt,
seh nach dem Feuer, doch es brennt nicht.
Der Wagen vor der Tür ist alt.
Ich lass ihn an, doch er fährt nicht.

Wir haben uns bittere Lehren erteilt letzte Nacht.
Doch wir erkennen nicht :
Wir sind das alte Lied, das selbe Stück:
Ein Schritt vor und zwei zurück.

Vor’m Hotel kann ich die Vögel sehen.
Doch sie sin\’n nicht.
Mädchen in weiss vor ’ner Kirche im Juni.
Doch die Glocken, sie erklingen nicht.

Ich sitz in dieser Bar heut Nacht.
Alles was ich denke ist,
ich bin das gleiche alte Lied, das selbe Stück:
Ein Schritt von und zwei zurück.

Die selbe Sache Nacht für Nacht.
Wer hat Recht, wer hat’s falsch gemacht ?
Noch ein Streit und die Türe fliegt.
Noch ’ne Schlacht in unsrem kleinen, miesen Krieg.
Wenn ich mich anseh‘ seh‘ ich nicht viel
von der Frau die ich bin, die will.
Auf diesem Weg verlier ich Stück für Stück!
Gefangen! Ein Schritt von und zwei zurück.

Ist ein Mann hier in der Bar.
Ich krieg die Nachricht die er sendet.
Er sieht nicht zu verheiratet aus.
Und ich, ich tu als ging’s mir blendend.
Ich hab geträumt, ich hielt dich im Arm.
Die Musik ging nie zu Ende.
Wir tanzen Arm in Arm und Blick in Blick
immer ein’n Schritt vor und zwei zurück.

Ein Schritt von und zwei zurück.
Ein Schritt von und zwei zurück.
Ein Schritt von und zwei zurück.

Weniger ist mehr?

Donnerstag
Als wir uns nach unserer überraschenden, kurzen, Begegnung verabschiedeten, hielt ich Dich fest in meinen Armen.
Du sagtest, dass Du spürst, das ich Dich nicht loslassen möchte. Und dass es doch sein muss.
Wenige Minuten vorher hattest Du mich aufgefangen. Aufgefangen nach einem wilden Irrlauf durch meine Gefühle. Nach einem Spüren und Erkunden fremder Haut. Du hattest es so gewollt. Und Du warst danach liebevoll und fürsorglich zu mir. In Deinen Armen konnte ich runter kommen und Gedanken sortieren und Du gabst mir das Gefühl, nichts Falsches getan zu haben. In die Zärtlichkeiten und Streicheleinheiten hinein gabst Du mir die Hoffnung, nicht lange auf ein Wiedersehen warten zu müssen. Gleich nächste Woche (jetzt also diese). Zum Kaffee. „So lange wirst Du’s doch aushalten, ohne mich?“, fragtest Du und ich bejahte.
Und ich ging in der Hoffnung, dass auch Du bald durch diese Tür gingest und in Deinen Alltag eintauchen würdest.
Stunden später erfuhr ich, dass diese, meine Hoffnung, nicht erfüllt würde. Du bliebst dort bis zum späten Abend. Das löste bei mir Verzweiflung aus, und die Frage nach dem“warum?“…

Diskrepanz zwischen gesprochenen Wort und gelebter Wirklichkeit. Aber Du lebst ja Dein Leben. Selbstbestimmt.

Immer wenn ich Dich in den Armen halte und mich im Hoch meiner Gefühl finde, muss ich Dir eine liebe Nachricht schreiben. Und dann fällt mir ein, dass ich etwas Wichtiges vergessen habe, was ich nachreiche. Und noch, und noch. Da können sich die Nachrichten in Deinem WA auch mal ballen. Aber, da lege ich Wert darauf, das, was ich schreibe, ist echt! Das bin ich. Meine Gefühle. Meine Gedanken. Genau in dem Moment, wo ich sie niederschreibe.
Wenn ich das dann nachlese und bemerke, dass Du nicht antwortest, bin ich vernünftig und pausiere. So auch den ganzen Freitag.
Ich lenkte mich ab, lief meine Runden, fotografierte, arbeitete, genoss den Tag.

Kurz vor Mitternacht, ich weiß, dass Du gleich Pause machst, stelle ich Dir ein paar schöne Bilder zusammen und schicke sie Dir mit wenigen, aber lieben Worten. Ich weiß, dass der Job Dich fordert. Ich will Dir was gutes tun. Dann gehe ich ins Bett und versuche zu schlafen.
Neben meiner Frau. Die Gedanken bei Dir…

Es folgen ganze drei Stunden Schlaf. Dann schrecke ich hoch, ich stehe auf, das Handy blinkt. Nachricht von Dir, Du hast Dich sehr über die Fotos gefreut. Du teilst es kurz und knapp mit, es scheint stressig zuzugehen auf Deiner Arbeit. Schlaftrunken schreibe ich Dir noch paar nette Worte zur Aufmunterung, gehe danach wieder schlafen, bis kurz vor 7 Uhr.

Samstag
Jetzt hast Du Feierabend (Feiermorgen?).
Ich wünsche Dir einen guten Morgen und ein paar geruhsame Stunden. Du nimmst das gern auf und meinst, das Du ja morgens besser einschlafen kannst, als abends und verabschiedest Dich in „Deine Nacht“, was mein Tag ist.

Den Samstag packe ich mir mit Arbeit voll und den Nachmittag verbringen ich mit meiner Frau und sehr interessanten Menschen im Nachbardorf. Es geht um gesunde Ernährung, Biolandbau, gesellschaftliche Entwicklungen, alternative Lebensformen, Bildung, Erziehung, kurz, es ist ein vielfältiger, sehr intensiver Austausch, mit viel bedenkenswertem Input… Ja, mein eigentliches Leben ohne Amelie…

Gegen Abend, wir sind wieder zu Hause, meine Gedanken sind bei Amelie und ich befinde mich wieder bedenklich nahe am Abgrund, da spannt sich völlig überraschend ein Netz unter meinen Füßen…
Ich komme in den Gedankenaustausch mit einem mir bisher unbekannten Menschen. Über mein Gefühlschaos…!? Unverhoffte Hilfe. Was tue ich da?

Kurz nach Mitternacht schreibe ich Amelie über meinen Tag, sende ihr liebe Wünsche und bitte sie, mir doch ein paar meiner Fragen aus den vorherigen Texten zu beantworten. Ihre Antwort ist kurz und flüchtig geschrieben. Ich lese daraus, dass ich zu nerven beginne. Auch wenn ihre Smileys am Ende doch eher versöhnlicher wirken. Ich weiß, ich muss meine Sehnsucht bändigen lernen! Vielleicht ist weniger doch mehr?

Der Sonntag wird für mich sehr intensiv und sehr erhellend, weil ich, völlig überraschend, Kontakt mit diesem Menschen habe, den ich zwar nicht kenne, der aber ähnlich wie ich zu ticken scheint, der durch meinen Blog gebrieft ist, und es entspannt sich den ganzen Tag über ein sehr angenehmer, liebevoller Gedankenaustausch. Über die Liebe, die Ehe, das Leben.

Manchmal kann ich die Dinge, die geschehen einfach kaum fassen. Das ist einerseits ganz großartig und andererseits macht es mir Angst. Weil ich mein Selbstbild hinterfragen muss. Weil ich mir eingestehen muss, wie schön und abwechslungsreich und intensiv mein Leben im Moment doch eigentlich ist.
Und meine Nähe zum Abgrund irgendwie selbst gewählt scheint…

Da dieser Mensch durch meinen Blog gut über mein Gefühlsleben Bescheid weiß, fühle ich mich im Austausch seit langer Zeit mal wieder angenommen und verstanden! Diese Stunden intensiven Gedankenaustauschs haben mich gedanklich ein wenig auf festere Wege geführt. Dafür hier ein ganz großer Dank!

Ich bin kein religiöser Mensch, aber ich habe das Kennenlernen von Amelie vor knapp zwei Jahren wie ein Geschenk erfahren, sie hat mir „das Paradies“ gezeigt, mir Schwung und Bewegung in mein Leben gebracht.

Und jetzt erscheint mir dieser unbekannte Mensch, wie ein Engel, der mich an die Hand nimmt und ein wenig in mein Leben zurückführt. Mir völlig unaufdringlich einen großen Spiegel vorhält und sagt: „Schau, das bist Du und Dein momentanes Leben. Du bist verunsichert und manchmal tief traurig, wenn es mit Amelie gerade nicht wie gewünscht läuft. Aber Du bist richtig und Du bist gut! Und ihr werdet Euren Weg finden, zumindest Du Deinen. Wenn Du möchtest bin ich für Dich da und höre Dir zu…!“

Was für ein Glück!

Reden hilft, Gedanken zu sortieren. Das merke ich.

Aber nach dieser intensiven Kommunikation bin ich platt. Ich sehe nicht mal den Anfang des sonntäglichen Tatortes, schlafe ein, verziehen mich dann in mein Bett und schlafe. Einfach schlafen!
Seit vielen ruhelosen Nächten, die erste, die ich tief und fest durchschlafen.

Dass Du mich nicht verstehst, liebe Amelie, liegt also nicht an dem, was und wie ich es Dir kommuniziere…

Jetzt versuche ich die Finger stillhalten und zu warten, ob und wann Du Dich meldest.

Liebe Amelie, ich hoffe, dass Du an mich denkst und mir bald schreibst!