Hinter Glas

Für Amelie

Ich weiß nicht, wie ich ausdrücken kann, was im Moment geschieht.

Ich fühle mich wie eine Pflanze. Genügsam. Zäh. Geduldsam.
Eine Pflanze, die nur hin und wieder ein wenig Wasser braucht. Ein wenig Pflege. Ein wenig Zuwendung. Ein wenig Trost. Die Trockenzeiten überstehen kann, dann aber langsamer gedeiht, immer kahler wird und weniger schön anzuschauen ist.
Die aber trotzdem auch in Dürrezeiten weiter wächst und Blüten bildet. Zwar wenige und kleine, aber wenn man diese Blüten aufmerksam betrachtet, steckt da sehr viel Schönheit drin, an der sich der Betrachter erfreuen kann. Wenn er sie entdeckt. Wenn er mit offenen Augen und offenem Herzen an diese Pflanze herantritt und ihr „begegnet“.

Eingehen wird die Pflanze, wenn man sie hinter Glas stellt. So dass es keinen wirklichen Kontakt mehr gibt…
Dann geht sie langsam zu Grunde.

Ich merke, wie sich eine Glasscheibe zwischen mich und Dich schiebt.

Du fehlst!

Werbeanzeigen

Ein Schritt vor und zwei zurück

Ich fühle mich, wie Ulla Meinecke auf ihrem 1991 veröffentlichten Album „Löwen“ auf die Musik von Bruce Springsteen sang:

„Ein Schritt vor und zwei zurück“

Wach morgens auf und das Haus ist kalt,
seh nach dem Feuer, doch es brennt nicht.
Der Wagen vor der Tür ist alt.
Ich lass ihn an, doch er fährt nicht.

Wir haben uns bittere Lehren erteilt letzte Nacht.
Doch wir erkennen nicht :
Wir sind das alte Lied, das selbe Stück:
Ein Schritt vor und zwei zurück.

Vor’m Hotel kann ich die Vögel sehen.
Doch sie sin\’n nicht.
Mädchen in weiss vor ’ner Kirche im Juni.
Doch die Glocken, sie erklingen nicht.

Ich sitz in dieser Bar heut Nacht.
Alles was ich denke ist,
ich bin das gleiche alte Lied, das selbe Stück:
Ein Schritt von und zwei zurück.

Die selbe Sache Nacht für Nacht.
Wer hat Recht, wer hat’s falsch gemacht ?
Noch ein Streit und die Türe fliegt.
Noch ’ne Schlacht in unsrem kleinen, miesen Krieg.
Wenn ich mich anseh‘ seh‘ ich nicht viel
von der Frau die ich bin, die will.
Auf diesem Weg verlier ich Stück für Stück!
Gefangen! Ein Schritt von und zwei zurück.

Ist ein Mann hier in der Bar.
Ich krieg die Nachricht die er sendet.
Er sieht nicht zu verheiratet aus.
Und ich, ich tu als ging’s mir blendend.
Ich hab geträumt, ich hielt dich im Arm.
Die Musik ging nie zu Ende.
Wir tanzen Arm in Arm und Blick in Blick
immer ein’n Schritt vor und zwei zurück.

Ein Schritt von und zwei zurück.
Ein Schritt von und zwei zurück.
Ein Schritt von und zwei zurück.

Weniger ist mehr?

Donnerstag
Als wir uns nach unserer überraschenden, kurzen, Begegnung verabschiedeten, hielt ich Dich fest in meinen Armen.
Du sagtest, dass Du spürst, das ich Dich nicht loslassen möchte. Und dass es doch sein muss.
Wenige Minuten vorher hattest Du mich aufgefangen. Aufgefangen nach einem wilden Irrlauf durch meine Gefühle. Nach einem Spüren und Erkunden fremder Haut. Du hattest es so gewollt. Und Du warst danach liebevoll und fürsorglich zu mir. In Deinen Armen konnte ich runter kommen und Gedanken sortieren und Du gabst mir das Gefühl, nichts Falsches getan zu haben. In die Zärtlichkeiten und Streicheleinheiten hinein gabst Du mir die Hoffnung, nicht lange auf ein Wiedersehen warten zu müssen. Gleich nächste Woche (jetzt also diese). Zum Kaffee. „So lange wirst Du’s doch aushalten, ohne mich?“, fragtest Du und ich bejahte.
Und ich ging in der Hoffnung, dass auch Du bald durch diese Tür gingest und in Deinen Alltag eintauchen würdest.
Stunden später erfuhr ich, dass diese, meine Hoffnung, nicht erfüllt würde. Du bliebst dort bis zum späten Abend. Das löste bei mir Verzweiflung aus, und die Frage nach dem“warum?“…

Diskrepanz zwischen gesprochenen Wort und gelebter Wirklichkeit. Aber Du lebst ja Dein Leben. Selbstbestimmt.

Immer wenn ich Dich in den Armen halte und mich im Hoch meiner Gefühl finde, muss ich Dir eine liebe Nachricht schreiben. Und dann fällt mir ein, dass ich etwas Wichtiges vergessen habe, was ich nachreiche. Und noch, und noch. Da können sich die Nachrichten in Deinem WA auch mal ballen. Aber, da lege ich Wert darauf, das, was ich schreibe, ist echt! Das bin ich. Meine Gefühle. Meine Gedanken. Genau in dem Moment, wo ich sie niederschreibe.
Wenn ich das dann nachlese und bemerke, dass Du nicht antwortest, bin ich vernünftig und pausiere. So auch den ganzen Freitag.
Ich lenkte mich ab, lief meine Runden, fotografierte, arbeitete, genoss den Tag.

Kurz vor Mitternacht, ich weiß, dass Du gleich Pause machst, stelle ich Dir ein paar schöne Bilder zusammen und schicke sie Dir mit wenigen, aber lieben Worten. Ich weiß, dass der Job Dich fordert. Ich will Dir was gutes tun. Dann gehe ich ins Bett und versuche zu schlafen.
Neben meiner Frau. Die Gedanken bei Dir…

Es folgen ganze drei Stunden Schlaf. Dann schrecke ich hoch, ich stehe auf, das Handy blinkt. Nachricht von Dir, Du hast Dich sehr über die Fotos gefreut. Du teilst es kurz und knapp mit, es scheint stressig zuzugehen auf Deiner Arbeit. Schlaftrunken schreibe ich Dir noch paar nette Worte zur Aufmunterung, gehe danach wieder schlafen, bis kurz vor 7 Uhr.

Samstag
Jetzt hast Du Feierabend (Feiermorgen?).
Ich wünsche Dir einen guten Morgen und ein paar geruhsame Stunden. Du nimmst das gern auf und meinst, das Du ja morgens besser einschlafen kannst, als abends und verabschiedest Dich in „Deine Nacht“, was mein Tag ist.

Den Samstag packe ich mir mit Arbeit voll und den Nachmittag verbringen ich mit meiner Frau und sehr interessanten Menschen im Nachbardorf. Es geht um gesunde Ernährung, Biolandbau, gesellschaftliche Entwicklungen, alternative Lebensformen, Bildung, Erziehung, kurz, es ist ein vielfältiger, sehr intensiver Austausch, mit viel bedenkenswertem Input… Ja, mein eigentliches Leben ohne Amelie…

Gegen Abend, wir sind wieder zu Hause, meine Gedanken sind bei Amelie und ich befinde mich wieder bedenklich nahe am Abgrund, da spannt sich völlig überraschend ein Netz unter meinen Füßen…
Ich komme in den Gedankenaustausch mit einem mir bisher unbekannten Menschen. Über mein Gefühlschaos…!? Unverhoffte Hilfe. Was tue ich da?

Kurz nach Mitternacht schreibe ich Amelie über meinen Tag, sende ihr liebe Wünsche und bitte sie, mir doch ein paar meiner Fragen aus den vorherigen Texten zu beantworten. Ihre Antwort ist kurz und flüchtig geschrieben. Ich lese daraus, dass ich zu nerven beginne. Auch wenn ihre Smileys am Ende doch eher versöhnlicher wirken. Ich weiß, ich muss meine Sehnsucht bändigen lernen! Vielleicht ist weniger doch mehr?

Der Sonntag wird für mich sehr intensiv und sehr erhellend, weil ich, völlig überraschend, Kontakt mit diesem Menschen habe, den ich zwar nicht kenne, der aber ähnlich wie ich zu ticken scheint, der durch meinen Blog gebrieft ist, und es entspannt sich den ganzen Tag über ein sehr angenehmer, liebevoller Gedankenaustausch. Über die Liebe, die Ehe, das Leben.

Manchmal kann ich die Dinge, die geschehen einfach kaum fassen. Das ist einerseits ganz großartig und andererseits macht es mir Angst. Weil ich mein Selbstbild hinterfragen muss. Weil ich mir eingestehen muss, wie schön und abwechslungsreich und intensiv mein Leben im Moment doch eigentlich ist.
Und meine Nähe zum Abgrund irgendwie selbst gewählt scheint…

Da dieser Mensch durch meinen Blog gut über mein Gefühlsleben Bescheid weiß, fühle ich mich im Austausch seit langer Zeit mal wieder angenommen und verstanden! Diese Stunden intensiven Gedankenaustauschs haben mich gedanklich ein wenig auf festere Wege geführt. Dafür hier ein ganz großer Dank!

Ich bin kein religiöser Mensch, aber ich habe das Kennenlernen von Amelie vor knapp zwei Jahren wie ein Geschenk erfahren, sie hat mir „das Paradies“ gezeigt, mir Schwung und Bewegung in mein Leben gebracht.

Und jetzt erscheint mir dieser unbekannte Mensch, wie ein Engel, der mich an die Hand nimmt und ein wenig in mein Leben zurückführt. Mir völlig unaufdringlich einen großen Spiegel vorhält und sagt: „Schau, das bist Du und Dein momentanes Leben. Du bist verunsichert und manchmal tief traurig, wenn es mit Amelie gerade nicht wie gewünscht läuft. Aber Du bist richtig und Du bist gut! Und ihr werdet Euren Weg finden, zumindest Du Deinen. Wenn Du möchtest bin ich für Dich da und höre Dir zu…!“

Was für ein Glück!

Reden hilft, Gedanken zu sortieren. Das merke ich.

Aber nach dieser intensiven Kommunikation bin ich platt. Ich sehe nicht mal den Anfang des sonntäglichen Tatortes, schlafe ein, verziehen mich dann in mein Bett und schlafe. Einfach schlafen!
Seit vielen ruhelosen Nächten, die erste, die ich tief und fest durchschlafen.

Dass Du mich nicht verstehst, liebe Amelie, liegt also nicht an dem, was und wie ich es Dir kommuniziere…

Jetzt versuche ich die Finger stillhalten und zu warten, ob und wann Du Dich meldest.

Liebe Amelie, ich hoffe, dass Du an mich denkst und mir bald schreibst!

Wenn Du liebst

Wenn du liebst

Warum nur geht mir Clueso’s Titel „Wenn Du liebst“ nicht aus dem Kopf…?
Wir stürzen uns gerne
Ins Bodenlose und Leere
Nichts was uns hält
Und nehmen keine Rücksicht
Finden nur schön was kaputt is
Und keinem gefällt
Jeden Raum stecken wir an
Nur wenn es brennt sind wir zusamm‘
Und fühlen uns nah
Wir sind lebendige Strophen
Berühren uns wie Chopin
Und es gibt keinen Refrain
Und doch fällt’s mir so leicht
An uns zu glauben
Und nichts schlechtes zu sehn
Doch irgendwas sagt mir leise
Wenn du sie liebst
Dann lass sie gehen
Warum fällt’s mir nur so leicht
An uns zu glauben
Darin nichts schlechtes zu sehn
Doch irgendwas sagt mir leise
Wenn du sie liebst
Dann lass sie gehen
Ich tanz mit dir gerne
Ins Bodenlose und Leere
Und ich bin es nie leid
Denn Sehnsucht nach Ferne
Und das zählen der Sterne
Das war uns immer zu leicht
Es heißt es wird schwerer mit der Zeit
Was kümmert uns die Wirklichkeit
Wir waren ja normal
Ich könnte ewig mit dir leben
Dreivierteltakt wie Chopin
Ich brauch kein Refrain


Es ist so mies
Ich will noch nicht gehen

Under Pressure

Ich höre David Bowie. „Let’s Dance“, „China Girl“, „Modern Love“. Meine Jugendzeit. Mich haben diese Titel immer aufgemuntert. Tolle Erinnerungen geweckt, haben Gefühle von damals wieder aufleben lassen. Alles war neu, spannend. Die erste große Liebe, das Ende der Schulzeit, Beginn der Lehre. Nebenbei stieg ich als Techniker unserer berühmten Dorfdisko ein. Aufregende, schöne, inspirierende Zeit. Ich war nicht mal 20 Jahre jung.

Doch was passiert heute mit mir? Ja, auch heute denke ich zurück. Aber alles was ich heute deutlich sehe und spüre sind Verletzungen, Zurückweisungen. Das Gefühl, nicht zu genügen. Das Gefühl, statt anerkannt und gesehen zu werden, immer nur mitzulaufen, zu funktionieren. Irgendwo im Leben, aber nie an der Stelle, an der ich mich sehe. Schon damals.

Das Dunkle gewinnt über das Licht, wenn ich nicht ständig dagegen arbeite. Menschen, die ich liebe, sehen mich nur, wenn ich die Verbindung ständig füttere. Ich mehr gebe, als ich bekomme. Nein, ich möchte nicht aufrechnen. Aber irgendwie bleibt doch alles wie es immer war.

Als ich gestern mit meinem Gedankenkarussel meine Runde ging, dachte ich, dass es symptomatisch ist. Ich habe mich durchgerungen, mich zu bewegen, mich zu ändern, mich zu hinterfragen, mich zu bessern…

Ich gehe Schritt für Schritt, laufe 5 km, 10 km, hänge noch 3 km dran, damit ich mich überhaupt etwas spüre. Aber wo komme ich an? Dort wo ich gestartet bin. Ich laufe immer nur im Kreis. Keine neuen Welten, kein erstrebenswertes Ziel, nein nur Bewegung um der Bewegung Willen.

Und der Mensch, für den ich meinen kranken Körper seit 1½ Jahren bewege und forme, sieht mich kaum. Hört mich kaum. Nimmt mich nicht wirklich wahr, mit meinen Sehnsüchten und Wünschen…

Vielleicht ist ja alles nur ein großer Irrtum?

Im Jahr als Bowie’s Album „Let’s Dance“ heraus kam, ging meine erste große Liebe zu Ende. Ich musste gehen.

Die nächste Frau, in die ich mich verliebe, heiratete ich wenige Monate später. Spontan.
Ein Jahr nach diesem Album bekamen wir unseren ersten Sohn.

36 Jahre später, aktuell, wie damals:

„Under Pressure“ 

Geschrieben im Regengrau eines Sonnabends im Mai 2019 – 36 Jahre nach Erscheinen des Albums „Let’s Dance“

Das Pfeifen im Walde

Drei Tage nach unserem Treffen bist Du wieder an dem Ort, an dem ich Dich nicht wissen will. Ja es gibt Gründe für Dich. Ich weiß!

Es wird immer Gründe geben.

Dafür und Dagegen

Ich Versuche mich im busi­ness as usu­al„…

Gut, dass es WhatsApp gibt:

Liebste Amelie.😘
Der Tag ist erwacht, die ☀️ Sonne scheint, ich sitze draußen vorm Haus, lausche dem Gezwitscher der Vögel, rieche die feuchte, fliederduftgeschwängerte Morgenluft. Versuche, wieder mal das rasende Gedankenkarussel zum anhalten zu bringen.
Ich bin seit dem ersten Augenaufschlag in Gedanken bei Dir. Ach Amelie, Du hast mich gefangen… Ja es ist nicht leicht, vergeblich auf Nachrichten zu warten, es schmerzt, Dich im Haus zu wissen, es macht mich traurig zu ahnen, dass ich nie mit Dir gemeinsam frühstücken werden…

Aber dann sehe ich Dich vor mir, Deine wundervollen Augen, Dein duftendes schwarzes Haar. Ich kann mich an Deine Zärtlichkeiten erinnern, Deine Küsse, spüre Deine Wärme und Dein Licht in mir.
Dann weiß ich, was ich nie vermissen möchte! *DICH!* Und dass all das, was mich schmerzt ein sehr, sehr geringer Preis dafür ist, hin und wieder Deine Nähe in echt spüren zu dürfen.

Hach! *Sentimentalität* vom Feinsten…

Amelie, fühl Dich umarmt! Und geküsst! Und geliebt!

Für heute wünsche ich Dir einen guten Tag, viel Glück und angenehme Begegnungen! Ich weiß, dass Du auf Dich acht gibst…☺️

Sei also ganz lieb gegrüßt und fühl Dich von mir angenommen – so, wie Du bist! Ich liebe Dich!❤️

Raphael,
der heute irgendwie „auf Standby“ steht, falls Du mich sehen möchtest…

PS: …

PPS: …

Tja, Du siehst, ich bin verrückt! Habe mittlerweile so viel versucht, Dich mir „schlecht zu reden“, es gelingt mir einfach nicht!

Ich hätte nie geglaubt, dass ich je einem Menschen begegnen kann, der mir so viel bedeutet, wie Du es tust…

Wenn Du nur ähnlich fühlen würdest!

Irrweg?

Nachdem ich Amelie letzten Montag ja ziemlich unkontrolliert im Seelenschmerz Vorwürfe gemacht hatte, wusste ich nicht, ob sie meiner relativierenden Nachricht das selbe Gewicht gegeben hat, wie meinem Vorwurf. Ersteinmal reagierte sie gar nicht.
Der Dienstag war für mich eh problembehaftet, weil sie da viele Stunden an einem Ort mit einigen Menschen verbringen wollte, die in mir ungute Gedanken sprudeln lassen, mit Dingen, die in mir ein schmerzhaftes Gefühl auslösten: Angst!

Und so begann für mich der Dienstag ohne Antwort von ihr. Und das Wissen, dass sie sich räumlich in meiner Nähe befindet, aber nicht für mich greifbar sein würde, machte es nicht besser…
Ich wusste, dass derTag hart werden würde und machte mich früh am Morgen auf meine Runde. Knapp 7 Kilometer zum Kopf frei laufen. Die Sonne lugte gerade über den Berg mit der Burg darauf ins Tal. Parallel zum Fluss setzte ich Fuß vor Fuß, bewältigte Schritt für Schritt. Ich sah das herrliche Bild vor mir. Die Weite des Tales, der Radweg, der mir Gehweg ist, die drei Berge. Der markante, mit dem riesigen Abrutsch, bildprägend, daneben der mit der Burg und dann der dritte. Daneben wiederum lugte die Sonne grell leuchtend durch den Dunst, der alles vor mir in der Ferne wie gestaffelte Kulisse erschienen ließ. Ich machte ein Bild und fing diese Stimmung ein. Das Bild strahlte die Hoffnung des beginnenden Tages aus. Ich besann mich, und schrieb Amelie:

Liebste Amelie, ich wünsche Dir einen wundervollen guten Morgen! Viel Glück heut… Ich umarme und halte Dich! *Sehnsuchtsvoll* Dein Raphael ☀️☀️☀️ *SORRY!*

Zusammen mit dem Sonnenaufgangsbild schien mir das versöhnlich genug. Ich hatte die Hoffnung, dass Du Dich nach dieser Nachricht bei mir melden würdest, bevor Du in das Haus gehst… Doch auch diese Nachricht blieb ungelesen.
Ich ging meine Runde, frühstückte und begann mir den Tag mit Aufgaben voll zu packen. Nur nicht daran denken, was Du jetzt vielleicht tust…
Kurz und gut, ich begann viele Arbeiten und merkte aber jedesmal, dass ich nicht beider Sache bin und mir nichts gelang. Die Zeit verging quälend langsam, anderes wurde früher Nachmittag, Du würdest Dich wieder auf den Nachhauseweg machen. Ich musste irgendwie Kontakt zu Dir bekommen und schrieb Dir, fragte Dich, wie es Dir geht, ob Du gute Begegnungen hattest und vermied alles, was Du als Vorwurf hättest verstehen können. Und wirklich, die Nachricht kam an, wurde gelesen und Du antwortetest:

Manchmal weiß ich nicht wie ich angemessen reagieren soll…

OK. Wenigstens das. Jetzt konnte ich vorsichtig zu erklären versuchen. Es schien mir zu gelingen, wir tauschten noch ein paar Gedanken. Dann wolltest Du ein wenig ausruhen, weil Du noch zur Nachtschicht musstest. Dort war dann nicht allzuviel los, so daß wir uns noch ein wenig austauschen könnten. Bis ich um Mitternacht hundemüde ins Bett fiel. Zwei Tage großer psychischer Anspannung lagen hinter mir, davon eineinhalb Tage die Hölle. Zeit in der ich nicht wusste, was werden wird.

Die Frage, ob wir uns nächsten Montag, wie vereinbart, treffen werden, blieb unbeantwortet.

Mittwoch. Feiertag. Frau zu Hause. Ich organisiere den Tag ohne Stillstand. Ablenkung von Allem.

Der Donnerstag ist keine zwei Stunden alt als ich munter werde. Richtig munter! Kopf an und keine Chance, wieder einzuschlafen. Ich weiß Dich in der Nachtschicht, schreibe Dir einen Gruß und versuche danach im Bett wieder Ruhe zu finden. Vergeblich.
Also wieder auf. Ich schreibe:

Muss gerade grinsen. ☺️ Irgendwie ist es widersinnig. Heute habe ich sozusagen „Nachtschicht“. Kurz vor 2 Uhr war meine Nacht vorbei. Der Kopf war an. Gedanken, Gefühle, Ideen. Von allem zu viel für diese Uhrzeit…😉 Der. Versuch, wieder zu schlafen, hoffnungslos. Habe überlegt was ich mache. Aufstehen? Laufen? Ein Kapitel der Geschichte von „Amelie und Raphael“ weiterschreiben, oder einen Blogbeitrag? Naja, wäre sinnvoll gewesen. Statt dessen der krampfhafte Versuch, wieder Ruhe zu finden.
Die Kirchturmuhren schlägt viertelstündlich. Ich zähle. Viertel, halb, dreiviertel, plötzlich 3 Uhr.
Meine Gedanken sind jetzt wirklich dort, wo ich Dir 2 Uhr geschrieben hatte: bei Dir…😎😘 Tja. Dort drehen sie Pirouetten, werden von einer Wahrscheinlichkeit auf die andere gedreht und gewendet…
4 Uhr. Ich merke wie sinnlos das ist, wie ich tue. Ich wälzen Gedanken, über dessen Ausgang ganz jemand anders befinden wird. Da kann ich Ideen haben, noch und noch. Da kann ich Schmetterlinge im Bauch fühlen, kann Zweifel hegen, wie ich will. Es bringt nichts…🤔
Die Erkenntnis ist da. Der Wunsch und die Hoffnung schubsen mich in die nächste Runde.
4.30 Uhr. Es ist genug, ich stehe auf. Natürlich wird meine Frau munter, als ich meine Klamotten raffe. Was sei fragt sie. Ich erwidere, dass ich nicht schlafen kann und aufstehe… Am liebsten hätte ich gesagt, dass mir die Liebe vor geraumer Zeit begegnet ist, und ich mich jetzt auf mache, einen Weg dorthin zu finden…😌
Ach Amelie, wenn ich Dir jetzt sage, dass ich jetzt gern bei Dir wäre, dass ich Dich gern in den Arm nähme, Dich gern küsste und gern lieben würde, dass ich gern Kaffe mit Dir tränke und reden würde, von jetzt bis zum Ende des Tages, dann wäre das nicht gelogen!❤️🥰💋🍀
Aber ich schreibe Dir ja diesen Text. Und ich fühle mich Dir nahe. Aber ich ahne, dass mein Wunsch nach Deiner Nähe, Deinem Wunsch nach Distanz und Ruhe diametral gegenüber steht. Gut, das spekuliere ich. Und in Wirklichkeit hoffe ich: Dass Du mich auch gern wiedersähest…🤗
Es ist verrückt. Und es ist mühsam. Und es ist schön…
So, jetzt habe ich Dich ungebetenen vollgequatscht.
Aber ich hoffe, Du spürst meine guten Absichten dahinter, meine guten Gefühle Dir gegenüber, und, dass ich letztendlich eh akzeptiere(n) (muss), wie *Du* entscheidest.😉☺️
Ich freue mich auf Dich!🍀❤️
Ich wünsche Dir einen guten Morgen und einen tollen Tag!☀️☀️☀️🎶

Ganz liebe Grüße
Raphael

PS: Seit um 5 zwitschern jetzt die Vögel. Der Tag erwacht. Lass es Dir gut gehen!

Ich hab Dich lieb Amelie❣️

Das animierte Dich zu einem launische Antwortsatz. Ich weiß, Du hast gleich Feierabend (eher „Feiermorgen“) und wirst gleich den halben Tag verschlafen, der für mich Längen hat, weil ich unser Treffen noch nicht bestätigt weiß, aber ich bin zufrieden…

Ich merke, dass ich mir in den mehr als drei Wochen ohne persönliche Begegnung mit dir so viele Gedanken und Fragen aufgetürmt habe, die irgendwann aus mir herausbrechen werden. Ich Frage, ob wir uns vorher nochmal ausquatschen wollen.

Raphael… Wir müssen uns nicht ausquatschen… Es ist alles gut… Mittlerweile wissen wir doch etwas wie wir ticken 😚
Montag… Welche Uhrzeit?

Ich antworte kurz, teile Dir die Uhrzeit mit.

Dann warte ich.

Freitag. Samstag. Sonntag.

Es fällt mir schwer, aber ich will keine weiteren Fehler machen, und schweige.
Sonntag Abend schreibst Du mir, dass Du viel zu tun hattest und Dich auf unser Treffen freust.

Bevor ich am nächsten Tag ins Auto steige, um zu Dir und die große Stadt zu fahren, schreibe ich Dir, dass ich mich auf Dich freue. Und dass das jetzt vier Wochen waren. Und ich jetzt aufgeregt bin.

Doch irgendwie schreibe ich wohl missverständlich, wie ich kurze Zeit später bei unserer Begegnung feststellen muss…