Under Pressure

Ich höre David Bowie. „Let’s Dance“, „China Girl“, „Modern Love“. Meine Jugendzeit. Mich haben diese Titel immer aufgemuntert. Tolle Erinnerungen geweckt, haben Gefühle von damals wieder aufleben lassen. Alles war neu, spannend. Die erste große Liebe, das Ende der Schulzeit, Beginn der Lehre. Nebenbei stieg ich als Techniker unserer berühmten Dorfdisko ein. Aufregende, schöne, inspirierende Zeit. Ich war nicht mal 20 Jahre jung.

Doch was passiert heute mit mir? Ja, auch heute denke ich zurück. Aber alles was ich heute deutlich sehe und spüre sind Verletzungen, Zurückweisungen. Das Gefühl, nicht zu genügen. Das Gefühl, statt anerkannt und gesehen zu werden, immer nur mitzulaufen, zu funktionieren. Irgendwo im Leben, aber nie an der Stelle, an der ich mich sehe. Schon damals.

Das Dunkle gewinnt über das Licht, wenn ich nicht ständig dagegen arbeite. Menschen, die ich liebe, sehen mich nur, wenn ich die Verbindung ständig füttere. Ich mehr gebe, als ich bekomme. Nein, ich möchte nicht aufrechnen. Aber irgendwie bleibt doch alles wie es immer war.

Als ich gestern mit meinem Gedankenkarussel meine Runde ging, dachte ich, dass es symptomatisch ist. Ich habe mich durchgerungen, mich zu bewegen, mich zu ändern, mich zu hinterfragen, mich zu bessern…

Ich gehe Schritt für Schritt, laufe 5 km, 10 km, hänge noch 3 km dran, damit ich mich überhaupt etwas spüre. Aber wo komme ich an? Dort wo ich gestartet bin. Ich laufe immer nur im Kreis. Keine neuen Welten, kein erstrebenswertes Ziel, nein nur Bewegung um der Bewegung Willen.

Und der Mensch, für den ich meinen kranken Körper seit 1½ Jahren bewege und forme, sieht mich kaum. Hört mich kaum. Nimmt mich nicht wirklich wahr, mit meinen Sehnsüchten und Wünschen…

Vielleicht ist ja alles nur ein großer Irrtum?

Im Jahr als Bowie’s Album „Let’s Dance“ heraus kam, ging meine erste große Liebe zu Ende. Ich musste gehen.

Die nächste Frau, in die ich mich verliebe, heiratete ich wenige Monate später. Spontan.
Ein Jahr nach diesem Album bekamen wir unseren ersten Sohn.

36 Jahre später, aktuell, wie damals:

„Under Pressure“ 

Geschrieben im Regengrau eines Sonnabends im Mai 2019 – 36 Jahre nach Erscheinen des Albums „Let’s Dance“

4 Kommentare zu „Under Pressure

  1. Weißt Du, wo Du hin möchtest, wo Deine eigene Schmerzgrenze liegt?
    Ähnliche Erfahrungen wie Du hab ich als Frau auch gesammelt. Und leider allzu oft zu spät gespürt, dass ich mit meinen Gefühlen ziemlich allein bin. Die Gegenseite mich zwar mag, aber mehr eben auch nicht.
    Wenn ich lese, Du gibst Alles, ihr trefft euch, vermeintlich passt für wenige Stunden ganz viel, so quälen Dich kurze Zeit später zum wiederholten Mal deine Zweifel, da das Spiel mit Dir, wieder beginnt. Ich selbst sehe es als äußersten Ego-Trip, was Amelie tut. Sich immer alle Türen offen lassen, heißt irgendwann einmal allein auf dem Flur zu stehen. Denn dann haben die anderen die Tür geschlossen.

    Gefällt 1 Person

    1. Nein, ich weiß nicht wirklich, wo ich hin will… Ja, und klar ist, das was Du beschreibst. Sie sagt es auch: sie mag mich sehr. Sieht mich als tollen Menschen. Mehr aber nicht. Ich soll die schönen Momente, die wir habe genießen, und ansonsten mein Leben leben… Ich weiß, dass ich für sie anstrengend bin (ihr Leben ist ihre Arbeit, ihre Nebenjobs, ihr Haus, ihre (erwachsenen) Kinder. Daneben ihre Passionen… Da bleibt nicht allzuviel Zeit übrig. Zumal ich bekanntermaßen nicht der einzige Verehrer bin…
      Habe gerade Deine Nachricht vom Mitte April entdeckt… Ich melde mich Mal auf ’nem „anderen Kanal“.😉 Danke.

      Gefällt 1 Person

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